Trekking

 

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‘SPÄTRÖMISCHE DEKADENZ’

Via Alpina – Triest-Nizza – auf der Suche nach ‘verlorenen’ Rezepten

Die Via Alpina – Grande Traversale di Alpi – war tatsächlich eine elende Strapaze, die uns nach etwa 65.000 Höhenmetern und nahezu 2.000 km Rucksackwanderung mit Zelt, vier Monaten und vielen Zecken von Triest nach Nizza gebracht hatte, aber wir werden es wieder machen. So schön war das!
Slowenien und Friaul waren eine Frühlingserfahrung in unendlichen Urwäldern mit schwüler Hitze, massig Zecken und 'ner Menge von Nix. Kein Laden, keine Hütte hatte geöffnet und Wasser war so gut wie nicht vorhanden, da Karstgestein.
Meine Sibirien Albträume erwachten bei Tolmezzo, Italien als von einem hungrigen Bären die Rede war, der durch die Wälder marodierte und ungeniert nachts vor unser Zelt schiss!

Heimatliche Gefühle kamen auf, als wir im Dauerschneeregen über einen 2.100 m hohen Pass nach Südtirol bei Bozen einfielen: Zelten verboten, Wohnmobile verboten, Lagern verboten, alles verboten.
Auf entlegenen Almen und Tälern mit nie gehörten Sprachen (Lombardisch!) fanden wir den ersehnten und gesuchten Kein-EU-Käse und jene Delikatessen, die laut EU-Verordnungen von weltfremden Politikern vom europäischen Speiseplan verdammt werden sollen. Allerdings gibt es eben genau diese Delikatessen noch zuhauf in den Alpen, denn Brüssel ist weit. (Bitte versteht, dass wir hier keine Orte nennen können. Wo bleibt denn sonst die Suche à la Indiana Jones nach diesen kulinarischen Schätzen, obwohl die Sesselfurzer in der EU sich nie weit vom Stuhl weg bewegen…).

Außerdem gibt es auf Märkten winzigster Dörfer oder bei Schlachtern, die ihre Schweine, Ziegen und Kühe noch per Namen kennen und täglich streicheln, Herrliches zu erwerben. Sowie die unglaublichsten Käse à la Asterix auf Korsika, die unglaublichsten Salamis (Ziege, Hirsch und Gämse) und Fleischwaren (Lardo di Porco Nero und Rauchfleisch à la Wacholder). Natürlich gibt es immer noch den hausgemachten Schwindelabsinth (Waaahnisnnn!) mit ‘Guter-Heinrich-Mus’. Und NEIN! Abgebrochene Fingernägel fanden wir nicht in den Salamis, obwohl kein-EU-t hergestellt. Auf die berühmten Adlerknödel und die Maikäfer Suppe des 16. Jahrhunderts müssen wir allerdings noch sehr, sehr lange warten, denn wir haben nur zwei Steinadler und einige Geier gesehen.

Nach wiederholten Enttäuschungen auf der sagenumwobenen Route der Via Alpina (miese, teure, überfüllte Hütten mit miesem, teurem Essen) wählten wir nicht so überlaufene Etappen. Die Drei Zinnen Hütte und die Gnifetti Hütte beim Monte Rosa sind für alle, die bei 800 Essen pro Tag auf Mensaflair stehen, ein unbedingtes Muss.
Am Sommeranfang wurde unser Weg zur Outdoor Messe nach Friedrichshafen an der österreichischen Grenze abrupt durch 5 Tage Dauerschneefall ab 1.500 m umgeleitet, und wir mussten uns in tiefer gelegenen Gefilden an der schweizerischen/italienischen Grenze nach Fronkreisch schlängeln, wo wir uns in mörderischer Hitze und zusammen mit unübersichtlichen Horden durch die Seealpen nach Nizza quälten. Die Schweiz? Nun ja, bei dem Eurokurs eher etwas für Steuerflüchtlinge.

Ah ja, zu guter Letzt: unsere Suche nach Rezepten?
Jede Menge, aber hier nur eines:
Gnocchi alla Erbe oder ‘Zlijcnjaki’:

Mehl, ein Ei, Wasser und gemuste Silene vulgaris-Triebe vermengen. Diese Masse wird dann ganz simpel mit einem Teelöffel in kochendes Wasser plumpsen gelassen und 2 Minuten geköchelt. Danach werden die Gnocchi 1 Minute in brauner Butter geschmort. Dazu passt Wilderdbeer-Chili-Marmelade auf Ciabatta!
Einfach göttlich, aber hej, wer kennt denn schon Silene vugaris ;-).

TIPP: Hände weg vom Reiseführer, denn es waren extrem viele Routen falsch beschrieben und mit unmöglichen Zeitangaben, was Katrin bei einer Lebensmittelvergiftung zum Verhängnis geworden war.

 

Deutsche eBook Ausgabe:

 

DETLEV HENSCHEL
Sachbuch
Frisss oder Schtirb!
Essbare Wildpflanzen - Leckeres aus der Natur

 

Zum Nachlesen im:

 

4 seasons 4-seasons Das Portal für Globetrotter
Via Alpia: Auf der Such nach vergessenen Delikatessen

Alpin 1984
Der Fluch des Zeus