* Die Hinterland Trilogie:
Australien – Nordamerika – Japan

Wir lebten mehrere Jahre in Schweden, Griechenland, Japan, dem südlichen Afrika, Australien, Spanien und den USA und wissen, dass ein anderes Leben hinter dem ‘Goldenen Vorhang’ der Länder existiert, welches uns die Medien vorgaukeln. Es ist das Alltägliche, das Leben der normal arbeitenden Menschen, die den Hauptteil der Bevölkerung dieser (aller) Länder ausmachen.
Gemäß der Prämisse aus Peter Fondas Film Easy Rider: ›Alle Städte sind gleich‹: laut, teuer, gefährlich und sie stinken, haben wir uns auf unseren Reisen für unsere Hinterland Trilogie hauptsächlich auf Gegenden außerhalb der gängigen Ballungszentren von Australien, Nordamerika und Japan konzentriert: das Outback in Australien, das flyover country Nordamerikas und 田舎 (Inaka) – Japans dörfliche Regionen.

Die Landbevölkerung lebt anders, verhält sich anders, lebt eine andere Zeit und hat andere Werte sowie Wertvorstellungen als die Bewohner jener Städte, die uns sofort einfallen: Sydney, Melbourne, Perth, New York, Los Angeles, Las Vegas, Tokio, Osaka, Kyoto.
Aber was liegt dazwischen? Das wollten wir herausfinden.

Schon Goethe meinte: ›Nur, wo du zu Fuß gewesen bist, warst du wirklich‹, und so wollten wir die Länder hauptsächlich zu Fuß – also langsam – erschließen. Im Auto mit geschlossenen Scheiben, A/C-gefilterter Innenluft und lauter Musik wird die Außenwelt von unseren Sinnen überhaupt nicht wahrgenommen. Abgesehen davon wäre der intensive Kontakt mit der Natur und den Menschen gar nicht möglich gewesen, da kann doch gleich auf so einen strapaziösen Aufenthalt auf der anderen Seite der Welt verzichtet werden: Ein Bildband tut's doch auch. Dieser kann dann entspannt auf dem Sofa betrachtet werden – das kalte Bier und die Chips dicht dabei. Der Mensch hat aber neben dem Sehen noch einige andere Sinne: Riechen, Schmecken, Tasten, Hören, (Sechster Sinn, den es tatsächlich gibt) und um diese zu mobilisieren, muss man raus aus der Kiste.

Auf dem riesigen, dünn besiedelten, australischen Kontinent war allerdings ein Toyota Land Cruiser bei den mehr als 100.000 zurückgelegten Kilometern als Basecamp und ‘Maultier’ unabdingbar, um die weiten Entfernungen der Wüsten zu überbrücken. Für unsere zahllosen Wanderungen durch das Outback und die etlichen Kajaktrips auf idyllischen Krokodilgewässern, Salzseen in Wüsten und dem nicht immer ganz ungefährlichen Meer musste immer genug Wasser und Essbares dabei sein, denn in Australien ist der Supermarkt nicht gerade immer um die Ecke.

Das gleiche galt für die Weiten des nordamerikanischen Kontinents, wo ich innerhalb von 219 Tagen auf meiner 8.000-Kilometer-Wanderung von Los Angeles, Kalifornien nach St. John's, Neufundland, Kanada von Katrin mit einem Back-up-Auto betreut wurde.
Die 3.000-Kilometer-Wanderung von der Südspitze Japans Kap Sata, Kyushu zum nördlichsten Punkt Japans Kap Soya, Hokkaido musste ich leider ohne diesen Luxus auskommen: Dafür gab es ein Zelt, einen 35-Kilo-Rucksack, nur ein paar Schuhe, aber jede Menge kulinarischer Besonderheiten japanischer Küche zur Belohnung.

Unsere Abenteuer der mehr als vier Jahre on the road geben einen tiefen Einblick in das wirkliche Leben der Australier außerhalb der fünf Ballungszentren, der Nordamerikaner, die absolut nichts mit Amerikas Washington DC zu tun haben und den ländlichen Japanern, die noch auf offener Feuerstelle kochen und kaum die Kanji [Schriftzeichen] der nächsten Ortschaft lesen können. Alle Bücher sind mit Leica-Fotografien untermalt, die so wahrscheinlich noch nie irgendwo zu sehen waren, denn ›Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte‹, so Laotse.

Das Wort Hinterland soll hier das Synonym für das eigentliche Kernland eines Landes sein – SEIN HERZ –.